Hyosung ST 700i im Test

Seit 1966 überzeugt das südkoreanische Traditionsunternehmen Hyosung bereits mit hochwertigen Industrieprodukten. Mit 25.000 Angestellten und mehreren Milliarden Jahresumsatz ist das Konglomerat ein wichtiger Bestandteil der südkoreanischen Wirtschaft. Auch hierzulande ist der Name „Hyosung“ kein Fremdwort. Vor allem Motorradfans werden hellhörig, wenn der Name der Firma fällt. Denn neben Geldautomaten und Industriemaschinerie stellt das Unternehmen auch hochwertige Motorräder her. Dennoch sind nicht alle Motorradkenner von den südkoreanischen Modellen begeistert. Schließlich ist die Entwicklung und Produktion von Motorrädern kein Spezialgebiet des asiatischen Großunternehmens. Zudem ist die Konkurrenz groß, sowohl von deutschen als auch anderen asiatischen Marken. Was spricht also für, was gegen die Bikes dieses Herstellers? Um diese Frage zu beantworten, nehmen wir eines der bekannteren Hyosung-Modelle ganz genau unter die Lupe. Kosten, Motorleistung und Fahrbarkeit sind nur einige wenige Aspekte, die im Folgenden analysiert werden. Die Ergebnisse sind teils selbst für langjährige Motorradkenner überraschend. Denn die Qualität eines Bikes lässt sich nicht vom Namen des Herstellers ablesen.

Die Hyosung ST 700i

Bereits seit mehr als acht Jahren ist die Hyosung ST 700i nun auf dem Markt. Ausreichend Zeit, also, um sich ein genaues Bild des Motorrads zu machen. Mit einem Neupreis von knapp unter 8000€ (inklusive Nebenkosten) ist das Bike für seine Größenklasse relativ günstig. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 180km/h kann das Motorrad auch auf der Autobahn mithalten. Der V2-Motor bietet eine Leistung von 63 PS, ein weiterer Pluspunkt. Mit 17 Litern Tankvolumen und einem geringen Spritverbrauch schont das Motorrad auch langfristig den Geldbeutel. Zudem können sich Fahrer an der bequemen Sitzposition erfreuen. Dennoch ist dieses Zweirad trotz Chrom und Glanz weit von perfekt. Während es sich auf Landstraßen mit Tempolimit 100km/h gut fahren lässt, ist die Leistung des Bikes auf der Autobahn eher mäßig. Denn die Höchstgeschwindigkeit von 180km/h ist rein theoretisch. Tatsächlich werden ab einer Geschwindigkeit von 130km/h die Vibrationen so stark, dass sich das Motorrad nicht mehr anständig fahren lässt. Zudem gibt es keinen Windschutz, welcher bei solch hohen Geschwindigkeiten wichtig wäre. Ein weiteres Problem ist die Verarbeitung, welche – vermutlich aus Kostengründen – auf Kunststoff anstelle von Chrom setzt.

Nicht zu unterschätzen: Erfahrung und Ausrüstung

Dass die Hyosung ST 700i nicht perfekt ist, steht nicht infrage. Dennoch können erfahrene Motorradfahrer einiges an Freude an dem Bike finden. Vor allem wenn es darum geht, bei gutem Wetter auf dem Land zu fahren, ist dieses Modell aufgrund des bequemen Sitzes und des niedrigen Preises nicht zu überbieten. Zudem sollte jeder potenzieller Käufer beachten, dass wichtige Aspekte wie die Erfahrung und Ausstattung des Fahrers von keinem Produkttest berücksichtigt werden. Feste Schuhe und ein aerodynamischer Helm können die Fahrfreude erheblich erhöhen, auch wenn das Bike nicht ganz so viel leisten kann, wie manch ein anderes mit einem größeren Preisschild. Erfahrene Fahrer können zudem besser mit Problembereichen wie den ungewollten Vibrationen umgehen. Insgesamt zeigt dieses Bike, dass auch ostasiatische Hersteller einiges zu bieten haben, selbst wenn sie nicht auf die Produktion von Motorrädern spezialisiert sind. Wer sich ausführlich informiert und im Umgang mit Motorrädern geübt ist, wird sicherlich viele schöne Fahrten mit dieser kostengünstigen Alternative erleben.